Unser Anliegen
Von Tilo Reichold
(Gründer und Leiter von NEW GENERATION):
Von Klein auf hatte ich den Traum in meinem Leben „die Sache“ zu finden, für die es sich wirklich zu leben lohnt. Und so begann ich danach zu suchen: Als Jugendlicher in der Hooliganszene, in Diskotheken, in Beziehungen und später als Rockmusiker - überall suchte ich nach dem Leben. Doch egal wo ich auch suchte und was ich auch tat, es blieb immer eine große innere Leere zurück. Als ich 25 Jahre alt war begann ich noch einmal ganz neu über den Sinn meines Lebens nachzudenken. Ich fing an in der Bibel zu lesen und Gott zu suchen und mir wurde auf einmal klar, dass ich nur bei Gott das finden kann, wonach ich all die Jahre gesucht hatte. Mir wurden all die Sünden bewusst, die mich von Gott trennen und so ging ich schließlich zu einem Pfarrer und legte eine Lebensbeichte ab. Dort erlebte ich Gottes Vergebung und Seine Liebe und ich spürte, wie Er mir ein ganz neues Herz gab. Diese herrliche Erfahrung wollte ich nicht für mich behalten. Ich fragte Gott, was Er mit meinem Leben vor hat. Während einer Gebetszeit hörte ich den Ruf, ein christliches Jugend-Zentrum zu gründen. Es sollte ein Ort werden, an dem Jugendliche, die vorher noch nie mit Glauben und Kirche in Berührung gekommen sind, das Christsein kennen lernen können, ohne dass es eine schwer zugängliche Tradition zu überwinden gibt.
Die Gründung von NEW GENERATION
So suchte ich dann im Jahr 1995 nach Freunden, die ich für diesen Traum begeistern konnte. Nach kurzer Suche fand ich eine Hand voll junger Christen mit denen ich dann Anfang 1996 einen Verein gründete und einen christlichen Jugendclub eröffnete. Keiner von uns hatte einen Plan, wie so was geht. Wir waren voller Naivität, aber wir waren von unserer Idee begeistert und voll Glauben an einen großen Gott. So legten wir einfach unser Geld zusammen und finanzierten davon die Einrichtung des Clubs. Dann ging es los. Schon nach wenigen Monaten hatte es sich so entwickelt, dass etliche unserer Besucher aus der Skinhead-Szene kam. Wir begannen die Jugendlichen kennen zu lernen: ihre Nöte, ihre Probleme und ihre Ansichten. Das war teilweise schockierend. Eigentlich wurde mir jetzt erst so richtig klar, auf was ich mich da eingelassen hatte. Bereits nach kurzer Zeit gab es die erste eingeschlagene Scheibe in unserem Club. So lernte ich eine ganz neue Welt kennen. Je mehr ich Zeit mit den jungen Leuten verbrachte, umso mehr wurde mir klar, was in ihrem Inneren vorgeht. Sie suchen eigentlich nur nach Anerkennung, sie wollen irgendwo dazugehören und sie wollen gebraucht werden. Oft haben sie niemand in ihrem Elternhaus, der sie ermutigt, ihre Gaben fördert und ihnen eine Vision gibt. Ich begann, die Jugendlichen um mich herum auf einmal mit ganz anderen Augen zu sehen. Ich sah auf einmal all ihre inneren Nöte: ihre Ängste, ihre Unsicherheiten, ihre Sorgen, ihre Süchte und ihre tiefe innere Leere. Plötzlich konnte ich all diese unausgesprochenen Nöte spüren und ich begann sie zu hören wie einen herzzerreißenden Schrei.
Der Schrei einer hungrigen Generation
Diese Generation ist wie ein Hungriger, der in jeder Mülltonne verzweifelt nach Essen wühlt. Ich sah, wie die Jugendlichen das Leben suchen: in Alkohol, in Drogen, in Beziehungen für eine Nacht und in vielen anderen Lügen. Aber dort, wo sie das Leben suchen, können sie es nicht finden. Denn sie haben Hunger nach Liebe! Eigentlich schreien sie nach der Liebe Gottes. Das hat mich zu tiefst getroffen. Und genau dort rief mich Gott. Er gab mir ein Herz für diese Generation, was mich seit dem nie wieder verlassen hat. Ich begann mich zu fragen, was aus all den Jugendlichen werden wird, die nie die Chance haben von der Liebe Gottes zu hören. Und so begann ich zu überlegen, wie man diese Jugendlichen erreichen kann. Ich fing an, mich mit Teenagern bei McDonalds zu treffen, baute Kontakte zu Jugend-Cliquen auf und besuchte Jugendliche im Gefängnis.
Je mehr ich die Jugendlichen kennen lernte spürte ich: in dieser Generation steckt eigentlich ein enormes Potential und Gott hat einen gewaltigen Plan mit ihnen. Es fehlt ihnen nur eine Vision und jemand der sie auf dem Weg begleitet und fördert. Auch vielen christlichen Jugendlichen geht es da nicht anders. Sie sind wie talentierte Sportler, die aber nicht wissen, dass es einen Wettkampf gibt, und die auch niemanden haben der sie trainiert. Aus dieser Sicht heraus entwickelte ich schließlich ein Motto für unsere Jugendarbeit, das unsere Arbeit bis heute prägt:
„Öffne den jungen Menschen dein Herz und gib ihnen Anteil an deinem Leben. Lebe ihnen vor, was es heißt ein Christ zu sein. Lass sie Gottes Liebe ganz praktisch erfahren. Ermutige sie, wenn sie versagen. Lobe sie, wenn sie etwas gut machen. Aber korrigiere sie auch und setzte Grenzen. Zeige ihnen, dass du wirkliches Interesse an ihnen hast und dass du sie liebst. Lasse sie wissen, dass sie einen festen Platz in der Gemeinschaft haben. Zeige ihnen eine Vision auf! Gib ihnen eine Aufgabe und fordere sie heraus ihr ganzes Potential auszuschöpfen. Lass sie spüren, dass das, was sie tun, ein Beitrag zu einer großen Sache ist. Eine Sache, die größer ist als sie selbst. Eine Sache, die die Welt verändern wird. Eine Sache, für die es sich zu leben lohnt.“
Keine hoffnungslosen Fälle sondern verborgene Schätze
Seit vielen Jahren arbeiten wir nun unter diesem Motto und dürfen erleben: Viele der Jugendlichen, die von der Gesellschaft abgeschrieben wurden, sind eigentlich wie verborgene Schätze. Wenn sie erst einmal freigelegt und gewonnen sind, dann sind es regelrechte Edelsteine. Damit solche Beziehungen wachsen können, braucht es sehr viel Zeit und Geduld. Besonders bei jungen Leuten. Denn sie sind anfangs meistens erst einmal so unzugänglich wie eine Kokosnuss. Von Außen haben sie oft eine harte und raue Schale. Aber wenn man sich Zeit nimmt ihr Herz zu erobern, dann findet man im Inneren etwas sehr Kostbares, ja einen regelrechten Schatz. Zu Beginn unserer Arbeit sah ich bei vielen jungen Leuten nur diese äußere Schale. Aber inzwischen habe ich viele solcher Schätze finden dürfen und mittlerweile sind einige Teenager und Jugendlichen zu meinen engsten Freunden geworden.
Heute sind viele unserer besten Mitarbeiter ehemalige Besucher unseres Jugendclubs. Bei etlichen kann ich mich noch ganz genau daran erinnern, wie sie das erste mal in unsere Räume kamen: Mit harten Gesichtszügen, aggressiv oder verschüchtert. Wenn man sie heute sieht, kann man sich das einfach nicht mehr vorstellen. Es ist ein Wunder wie sie sich verändert haben! Es gibt nichts Schöneres, als wenn man einen solchen Menschen zu Jesus führen darf, in ihn investiert und dann mit ansehen kann, wie ein kaputtes Leben wieder Schönheit und Würde bekommt. Nach den vielen Jahren und Erlebnissen in unserer Arbeit weiß ich: Es gibt keine hoffnungslosen Fälle! Wir durften miterleben, wie bei uns ein Alkoholiker, der über 25 Jahre lang in der Sucht war, durch ein einziges Gebet vollkommen frei wurde und es seit dem auch geblieben ist. Wie eine Drogenabhängige sich bekehrte, frei wurde und eine wundervolle Mitarbeiterin wurde. Wie eine junge Frau, die aus der wirklich krassen Jugend-Szene kommt, hier ihr Leben Jesus gab und jetzt eine liebevolle Mutter in ihrer jungen Familie ist. Wie ein junger Mann, der jahrelang mit Minderwertigkeit und Depression zu kämpfen hatte, jetzt in wunderbarer Weise ein großes Team in unserer Arbeit anleitet. Dafür hat sich alles gelohnt! Ja, ich kann heute sagen: ich würde jederzeit wieder mit NEW GENERATION beginnen!



